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Essentiell

IHK-Projektdokumentation

Pflichtbestandteil der AP2 – die Doku zählt 50 % der Gesamtnote. Aufbau, IHK-Vorgaben, Best Practices.

Warum Priorität „Essentiell"? Kommt praktisch in jeder Prüfung vor (100%). Hier nichts offen lassen.

Lernziele

  • Die formalen IHK-Vorgaben (Seitenanzahl, Schrift, Zeilenabstand) sicher kennen
  • Eine prüfungstaugliche Gliederung aufbauen
  • Wissen, was in den Hauptteil gehört – und was NICHT
  • Best Practices für Sprache, Code und Anhänge umsetzen

1. Formale IHK-Vorgaben

Stand: aktuelle Merkblätter (z. B. IHK München 2025, IHK Köln, IHK Rhein-Neckar):

  • Umfang: maximal 15 Seiten Hauptteil ohne Anhang.
  • Schriftart/-größe: Arial 11 pt oder Times New Roman 12 pt.
  • Zeilenabstand: 1,5-zeilig.
  • Ränder: typischerweise 2,5 cm rundum (siehe IHK-Vorgabe).
  • Nicht mitgezählt: Deckblatt, Inhalts-, Abbildungs-, Tabellen-, Abkürzungs-, Glossar- und Literaturverzeichnis sowie Anhang.
  • Zeitumfang: 80 Stunden Projektarbeit gemäß Ausbildungsverordnung (FIAusbV).
  • Quellcode: bei FIAE Pflicht im Anhang – nicht in den Hauptteil.
  • Abgabe: meistens als PDF + Online-Upload, in manchen IHKs zusätzlich gedruckt + signierte Erklärung über die selbstständige Erstellung.

2. Empfohlene Gliederung (IHK-Standard)

1.  Einleitung / Projektbeschreibung               (~1–2 S.)
    1.1 Projektumfeld / Unternehmensvorstellung
    1.2 Ist-Analyse / Ausgangssituation
    1.3 Ziel des Projekts (Soll-Zustand)
    1.4 Projektabgrenzung (was NICHT Teil des Projekts ist)

2.  Projektplanung                                 (~2–3 S.)
    2.1 Projektphasen mit Zeitplanung (Soll-Plan)
    2.2 Stakeholder-Analyse
    2.3 Risikoanalyse
    2.4 Wirtschaftlichkeitsanalyse / Kosten-Nutzen

3.  Analysephase                                   (~2 S.)
    3.1 Anforderungsanalyse (funktional / nicht-funktional)
    3.2 Make-or-Buy-Entscheidung / Nutzwertanalyse
    3.3 Auswahl Technologien

4.  Entwurfsphase                                  (~2–3 S.)
    4.1 Architekturentwurf
    4.2 Datenmodell (ERM, ggf. Klassendiagramm)
    4.3 Schnittstellen / GUI-Mockups

5.  Implementierungsphase                          (~3–4 S.)
    5.1 Umgesetzte Funktionen (kein Code-Listing!)
    5.2 Wichtige Designentscheidungen mit Begründung
    5.3 Abweichungen vom Plan

6.  Test- und Abnahmephase                         (~1–2 S.)
    6.1 Testkonzept (Unit, Integration, Abnahme)
    6.2 Testdokumentation
    6.3 Abnahmeprotokoll

7.  Projektabschluss                               (~1 S.)
    7.1 Soll-Ist-Vergleich (Zeit, Kosten, Funktionen)
    7.2 Lessons Learned / Reflexion
    7.3 Ausblick / mögliche Erweiterungen

3. Was in den Anhang gehört

  • Quellcode (Pflicht für FIAE) – ggf. nur die wichtigsten Klassen, nicht der ganze Build-Output
  • Vollständige Diagramme in lesbarer Größe (Klassen-, Aktivitäts-, Sequenzdiagramm)
  • SQL-Skripte und Datenbankschema
  • Mockups / Screenshots der finalen Anwendung
  • Testfälle / Testprotokolle
  • Installationsanleitung oder Benutzerhandbuch (oft erwünscht)
  • Abnahmeprotokoll mit Unterschrift des Auftraggebers
  • Glossar / Abkürzungsverzeichnis

4. Best Practices

Inhaltlich

  • Eigene Leistung klar kennzeichnen: Was hast du gemacht, was haben andere beigesteuert? Bei Co-Working: Schnittstellen sauber benennen.
  • Begründen, nicht nur beschreiben: «Wir haben Postgres gewählt, weil …» statt «Wir haben Postgres gewählt.»
  • Soll-Ist-Vergleich ist Pflicht: Plan vs. Realität bei Zeit, Kosten und Funktionen.
  • Wirtschaftlichkeitsbetrachtung mit Amortisation oder ROI – meistens erwartet.

Formell

  • Automatisches Inhaltsverzeichnis mit klickbaren Seitenzahlen (Word / LibreOffice / LaTeX).
  • Konsistente Formatierung: Überschriftenebenen, Schriftart, Aufzählungen.
  • Nummerierte Abbildungen und Tabellen mit Bildunterschrift.
  • Quellenangaben nach einem konsistenten Stil (DIN 1505 oder Harvard).
  • Rechtschreibung & Grammatik: Mind. 2 Personen Korrekturlesen lassen. Sprache fließt in die Bewertung ein.
  • Bilder/Screenshots in lesbarer Auflösung – verkleinerte UML-Diagramme frusten den Korrektor.

Sprache

  • Sachlich, knapp, präzise. Keine Ich-Erzählung im Hauptteil – Passivkonstruktionen sind ok, aber nicht zwanghaft.
  • Fachbegriffe einmalig erklären (Glossar).
  • Englisch-deutsche Mischbegriffe vermeiden («wir haben das deployt» → «… ausgeliefert»).

5. Bewertungskriterien der IHK (typisch)

KriteriumWorauf Prüfer achten
Projektplanungrealistische Zeit-/Kostenplanung, Stakeholder, Risiken
Analyse & Entwurfnachvollziehbare Anforderungen, sinnvoller Entwurf, begründete Architekturentscheidungen
Implementierungstrukturierte Vorgehensweise, eigene Leistung erkennbar
Test & QualitätTestkonzept, Abnahme, Soll-Ist-Vergleich
WirtschaftlichkeitKosten-Nutzen, Amortisation
Form & SpracheLayout, Rechtschreibung, sauberer Aufbau
AnhängeQuellcode, Diagramme, Abnahmeprotokoll, lesbar und vollständig

6. Typische Fehler (aus IHK-Auswertungen)

  • Unklare Trennung «eigene Leistung» vs. «Team-/Fremdleistung»
  • Keine oder oberflächliche Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
  • Soll-Ist-Vergleich fehlt komplett
  • Anforderungen nicht systematisch erfasst
  • Diagramme zu klein oder fehlerhaft (z. B. UML-Notation falsch)
  • Code-Snippets im Hauptteil → Verschwendung von Seiten
  • Lehrbuchabschnitte als Füllmaterial
  • Ich-Erzählungen, Plauderton
  • Anhang ohne Inhaltsverzeichnis / Bezug

Übungen

Eine AntwortWie viele Seiten umfasst der Hauptteil einer IHK-Projektdokumentation maximal?

Eine AntwortWo gehört der Quellcode in der FIAE-Doku hin?

Eine AntwortWelche Schrifteinstellung ist typisch IHK-konform?

Eine AntwortWas sollte NICHT in den Hauptteil der Doku?

MehrfachauswahlWelche Bestandteile zählen NICHT zur 15-Seiten-Grenze?

Zum Weiterlernen

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